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Forum Ostdeutschland der Sozialdemokratie e.V.


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Gesprächskreis ''Wissenschaft und Politik''

Gleich bei dem ersten Treffen des von Hans Misselwitz über-
nommenen "Gesprächskreis Wissenschaft und Politik" am
24. Juni 2003 nahm man sich eines großen Themas an: der
demografische Wandel und die Auswirkungen auf die Arbeits-
marktpolitik im Osten Deutschlands. Ziel der Anhörung war es,
im Dialog von Wissenschaft, Praxis und Politik den Zusammen-
hang zwischen beiden Problemlagen herauszuarbeiten, mög-
liche Ansatzpunkte gemeinsame Lösungen zu identifizieren
und erste Schritte zu bestimmen.

Die gegenwärtige Lage auf dem ostdeutschen Arbeitmarkt
ist nicht zuletzt durch das Zusammentreffen von zwei Problem-
lagen bestimmt, die man mit den Schlagworten "Geburtenberg
und Überalterung" bezeichnen kann.

Der "Geburtenberg" bedeutet, dass seit einigen Jahren wesent-
lich mehr junge Menschen die Schule und eine Berufsausbildung
abschließen als tatsächlich Ausbildungs- bzw. Arbeitsplätze ver-
fügbar sind. Bis zu ca. 100 000 junge Erwachsenen pro Jahr
finden keinen Zugang zu einer Beschäftigung im ersten Arbeits-
markt. Selbst wenn eine positive wirtschaftliche Entwicklung dazu
führt, dass die Zahl der Arbeitsplätze langsam ansteigt, wird der
ostdeutsche Arbeitsmarkt in den nächsten zehn Jahren deren
Integration von sich aus nicht leisten können.

Die "Überalterung" bezeichnet die Tatsache, dass in weiten Be-
reichen des ostdeutschen  Beschäftigungssystems ein hoher
Anteil der Leistungsträger heute zwischen 48 und 63 Jahre alt
sind. Die meisten werden erste gegen Ende des Jahrzehnts in
Rente gehen, also dann, wenn nur mehr die sehr schwachen,
seit 1989/90 geborenen Jahrgänge als Nachfolger verfügbar sind.

Beide Problemlagen - die eine sehr aktuell, die andere mittel-
fristig - stellen erhebliche politische Herausforderungen dar.
Deren Bewältigung kann aber nur darin bestehen, die Aufgaben
"Geburtenberg" und "Überalterung" gemeinsam anzugehen.

In das Thema führten Prof. Dr. Burkart Lutz, Zentrum für Sozial-
forschung Halle e.V. und Dr. sc. Rainer Land, Thünen-Institut
Röbel e.V. ein. Manfred Stolpe, Vorsitzender des Forum Ost-
deutschland, konnte zur Diskussion viele Sachverständige aus
Wissenschaft und Politik, Verwaltung und Wirtschaft begrüßen.
Hans Misselwitz hatte es geschafft, die unterschiedlichsten
PraktikerInnen für diesen Diskurs zusammen zu holen, z. B. aus
Arbeitsämtern und Forschungseinrichtungen, aus Gewerkschaf-
ten und Universitäten, aus verschiedenen Landes- und Bundes-
ministerien und aus der Politik.

Die Vorschläge, wie sich Ostdeutschland aus dem Dilemma von
"Geburtenberg und Überalterung" befreien könnte, reichten von
dem Appell nach einer stärkeren Anwendung von Teilzeitarbeits-
plätzen über die Betonung von weichen Maßnahmen, wie die
Stärkung des regionalen Selbstvertrauens, bis hin zu der
Forderung nach einer permanenten Fokussierung auf Weiter-
bildung und Qualifizierung.

Eine Zusammenfassung der Diskussion kann beim Forum Ost-
deutschland angefordert werden.

Nachdem sich der Gesprächskreis "Wissenschaft und Politik" im
Forum Ostdeutschland bei seiner ersten Veranstaltung im Juni mit
der Spezifik des ostdeutschen Arbeitsmarktes unter den Stich-
worten "Geburtenberg" und "Überalterung" beschäftigt hatte, lag
es nahe, die Folgen der demografischen Entwicklung für die
öffentliche Infrastruktur in strukturschwachen Regionen in Ost-
deutschland in den Blick zu nehmen. Hintergrund: Die Qualität
eines regionalen Standortes ergibt sich aus dem Zusammenspiel
zwischen Arbeitsmarkt bzw. gewerblicher Wirtschaft und öffent-
licher Infrastruktur. Ziel der Anhörung war, anhand der Entwick-
lung in einer ostdeutschen Region Ansatzpunkte für die Politik
zu identifizieren.

Weil die Förderung regionaler Entwicklungspotenziale, deren Ver-
netzung bzw. deren strategischer Ausbau inzwischen zu den aner-
kannten Konzeptionen der Wirtschaftsförderung in Ostdeutschland
gehört, kommt der offensichtlich gegenläufigen Bevölkerungsent-
wicklung größte Bedeutung zu, auf die sich Politik wie Wirtschaft
einrichten müssen.

Die Problematik wurde am Beispiel der Lausitz erörtert, einer so-
wohl vom vereinigungsbedingten Strukturwandel als auch künftig
von der europäischen Integration besonders betroffenen Grenz-
region. Von den Veränderungen der Bevölkerungsstruktur, der
Wirtschaftsstruktur und Raumordnung ausgehend, wurde
exemplarisch ein Bild über die daraus folgenden Anforderungen
an öffentliche Institutionen, an die Instrumente der Regional-
förderung, an Unternehmen und gesellschaftliche Akteure ge-
macht.

Hans Misselwitz verwies in seiner Begrüßung auf die letzte
Veranstaltung des Gesprächkreises, die etwas genereller die
Problematik des ostdeutschen Arbeitsmarktes im Zusammen-
hang der Generationenübergänge thematisiert hatte. Dieses
Mal, so Misselwitz, wolle man konkret über die regionalen
Auswirkungen und vor allem über die Dynamik dieses
Prozesses reden. Er bat darum, in der Diskussion nicht nur
die wirtschaftliche oder ökonomische Sphäre sondern auch
die Auswirkungen auf die Raumordnung mitzubetrachten.
Die Region Lausitz habe man als Beispiel gewählt, da dort
viele Verantwortliche den Prozess der demografischen Ent-
wicklung beobachten und darauf reagieren würden.

In Anwesenheit des FOD-Vorsitzenden Manfred Stolpe wurden
drei Schwerpunkte diskutiert:

Regionalentwicklung ohne "kritische Masse"? Zum Sozial- und
Humanpotenzial der Region Dr. Michael Thomas, Dr. Rudolf
Woderich vom Berlin-Brandenburg Institut für Sozialwissen-
schaftliche Studien BISS e.V. Berlin

Wechselwirkung zwischen Bevölkerungs- und Wirtschaftsent-
wicklung in einer peripheren Region Prof. Dr. Wolfgang Schröder,
Fachbereich Wirtschaftswissenschaften, Fachhochschule Lausitz,
Senftenberg

Auswirkungen aus Sicht der Raumordnung Dipl.-Ing. Bärbel
Winkler-Kühlken, Projektleiterin des Modellvorhabens der Raum-
ordnung (MORO) Modellregion Lausitz-Spreewald, Institut für
Stadtforschung und Strukturpolitik GmbH Berlin.

Über die Impulsreferate diskutierten anschließend gemeinsam
mit den Autoren Dr. Hans-Joachim Kujath, Leiter der Abteilung
Regionale Entwicklung, Institut für Regionalentwicklung und
Strukturplanung, Erkner, Dr. Christiane Eisenberg, Regional-
managerin für Südbrandenburg, Cottbus und Dr. Dietmar
Woidkel, MdL aus Brandenburg.

Sehr eindringlich wurde noch einmal auf die Folgen des Brain
Drains in den neuen Bundesländern hingewiesen. Vor allem
das Abwandern junger, flexibler Menschen mit einem hohen
Bildungsstandard - und hier vor allem junge Frauen - habe,
so die einhellige Meinung des fachkundigen Publikums,
massive Auswirkungen auf die regionale Wirtschaftsent-
wicklung. Kritisch diskutiert wurde die Aussage eines Teil-
nehmers, dass es im internationalen Vergleich nicht unbe-
dingt ein wendespezifisches und somit ostspezifisches
Problem sei, sondern vielmehr ein Problem ländlicher Ge-
biete.

Im weiteren Verlauf des Gedankenaustausches stand im
Mittelpunkt, welche Entwicklungsstrategien am besten ge-
eignet seien, um die spezifischen Probleme zu lösen. An-
geregt wurde, nicht nur finanzielle Förderung in den Vorder-
grund zu stellen, sondern Begleitmaßnahmen wie z. B.
Investitionsverbände und Gemeinschaftsmarketing zu
initiieren. Auch die geringe Eigenkapitalbeteilung der
mittelständischen Unternehmen im internationalen Ver-
gleich wurde als Problem definiert.

Eine Zusammenfassung der Diskussion kann beim
Forum Ostdeutschland angefordert werden.

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Kontakt

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Willy-Brandt-Haus
Wilhelmstr. 141
10963 Berlin

Tel.: 030/25991–277
Fax: 030/25991–271

Geschäftsführer: Dr. Hans Misselwitz

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